Deutsche Friedensgesellschaft Münster


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Rede von Kathrin Vogler MdB, friedenspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE., Mitglied der DFG-VK auf der Abschlusskundgebung der Osterfriedensfahrraddemo vor der Manfred-von-Richthofen-Kaserne in Münster am 3.4.21

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde!

Wir stehen heute hier vor der Manfred-von-Richthofen-Kaserne, die künftig vielleicht Standort für ein „Führungskommando Landstreitkräfte“ sein soll.

„Vielleicht“? Ja oder auch nein. Das Bundesministerium der Verteidigung will sich da noch nicht festlegen. Ich habe kürzlich nachgefragt und das Ministerium hielt sich bedeckt: Der Standort sei „zur infrastrukturellen Bedarfsdeckung des Heeres vorgesehen“.

Das Heer hat Bedarf?

Ein „Führungskommando Landstreitkräfte“ soll dazu beitragen, die Führungsorganisation des Heeres für die – wie sie sagen – „anspruchsvollste Aufgabe der Landes- und Bündnisverteidigung“ zu verbessern sowie „die Verpflichtungen gegenüber NATO und EU vollumfänglich zu erfüllen“.

Auf deutsch heißt das: Die Heeresorganisation soll für den Krieg optimiert werden. Und das wollen wir nicht hinnehmen!

Ja, sie planen für den nächsten großen Krieg, in dem Landstreitkräfte geführt werden müssen. Es ist schon gruselig, dass für solche Planungen gerade diese Kaserne ins Auge gefasst wurde. Denn auch ihr Namensgeber steht für die verhängnisvolle Tradition des deutschen Militarismus.

Manfred von Richthofen, deutscher Offizier und Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, trat schon mit elf Jahren in ein Kadettenkorps ein. Als „Roter Baron“ wurde er zur Legende. Er soll in diesem Krieg mehr als 80 Luftkämpfe gewonnen haben, bis er am 21. April 1918 über Frankreich abgeschossen wurde und starb.

Die Hitlerfaschisten begingen seinen Todestag von 1935 bis 1945 als „Ehrentag für die deutsche Luftwaffe“.

Und die Bundeswehr? Sie gab diesem Standort seinen Namen, „Richthofen-Kaserne“.

Was war das für ein Mann, der da zum Vorbild für Bundeswehrangehörige stilisiert wird? Lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:

Richthofen sagte einmal: „Man kann sich für alles begeistern. Eine Zeit lang war ich begeistert vom Bombenwerfen. Es bereitete mir ein ungeheures Vergnügen, diese Kerle von oben zu bombardieren.“

Und er sagte auch: „Es ist schade, dass in meiner Trophäensammlung kein einziger Russe zu finden ist“.

Heute hat das deutsche Militär wieder „die Russen“ im Visier. Die Bundeswehr ist seit 2017 mit 500 Soldat*innen als Teil der Enhanced Forward Presence im Baltikum und führt die „NATO-Battlegroup“ in Litauen.

Die militärisch-politischen Eliten nennen das die „Sicherung der Ostflanke der NATO“.

Ich nenne das eine Provokation gegen Russland, die wissentlich eine militärische Auseinandersetzung in Kauf nimmt. Sie sichern dort gar nichts. Sie sind die Bedrohung. Sie gefährden den Frieden, Tag für Tag. Wir wollen eine andere Politik, eine Politik der Verständigung und Entspannung, denn nur so können wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel sichern.

Im Rahmen der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ der NATO üben Bundeswehrpiloten in Deutschland täglich den Atomwaffenfreie Welt!

Dann wälzt sich seit 2014 alle neun Monate ein US-amerikanischer Militär-Aufmarsch namens „Atlantic Resolve“ durch Westeuropa bis an die Ostflanke der NATO mit mehr als 5.000 Soldaten, fast 500 Kettenfahrzeugen und bis zu 100 Transport- und Kampfhubschraubern.

Auch hier ist die Bundeswehr direkt beteiligt, stellt über den „Host Nation Support“ Infrastruktur und Transportbegleitung zur Verfügung, die Deutsche Bahn ist Vertragspartner für den Schienentransport der US-Panzer und Haubitzen, die Nordseehäfen sind die Landestellen für das US-Militärgerät und zivile Flughäfen, wie der in Dresden, dienen als Tank- und Rastanlagen für die US-Hubschrauber auf ihrem Weg gen Osten. Und während dieser neun Monate trainieren die US-Truppen mit den Armeen fast aller europäischen Länder in bis zu 20 Manövern – den Krieg.

Wir sind mitten drin. Europa ist zum Mega-Sandkasten für die Kriegsspiele der NATO und der USA geworden. Und aufgrund seiner geografisch zentralen Lage ist Deutschland das Drehkreuz für Militäraufmärsche.

Seit letztem Jahr gibt es die US-Kriegsübung DEFENDER Europe. Defender Europe 2020 wurde von der Corona-Pandemie gestoppt. Aber wir sahen in den ersten Monaten genau, was uns da erwarten sollte: der größte US-Truppenaufmarsch seit dem Ende des Ost-West-Konflikts.

In Deutschland rollten Militärtransporte über Straßen und Schiene, Truppenübungsplätze wurden zu Heerlagern für die US-Truppen und ihre Verbündeten, darunter natürlich auch die Bundeswehr. Die US-Generalität versprach ihren Truppen, dass jubelnde Menschen am Rande der Transporte fahnenschwenkend warten würden. Stattdessen standen wir da:

STOPPT DEFENDER 2020 war auf Transparenten und Flyern zu lesen. Die Friedensbewegung hatte Widerstand mobilisiert, von Duisburg bis Torgau , von Bremerhaven bis Ulm. Statt bis Juni dauerte das Kriegsmanöver Defender Europe 2020 nur bis März, die US-Soldaten verließen Europa, wegen Corona!

Aber sie sollen wiederkommen. Es heißt, Defender Europe würde nun jährlich stattfinden, in den geraden Jahren im nördlichen, in den ungeraden Jahren im südlichen Bündnisgebiet der NATO.

Seit März übt die US-Armee nun mit „Defender Europe 2021“ den Krieg gegen Russland in Osteuropa. Mit 31.000 Soldat*innen und über 30 Einzelmanövern, diesmal trotz Pandemie. Wir fordern: Lockdown für das Militär, nicht nur während der Pandemie!

Die Schwerpunktregionen sind in diesem Jahr der Westbalkan und der Schwarzmeerraum. 21 Nato-Staaten sind beteiligt, außerdem die Ukraine, Georgien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Moldawien. Die USA und ihre Vasallenstaaten üben die Einkreisung Russlands.

Auch diesmal ist Deutschland wieder mit dabei. Neben der Unterstützung beim Transit der US-Truppen wird die Bundeswehr mit 430 Soldatinnen und Soldaten in der Kernzeit von Defender 2021, im Mai und Juni, in Rumänien und Ungarn an Kriegsmanövern teilnehmen. Die Kosten für die Teilnahme der Bundeswehr werden derzeit mit 2,9 Mio. Euro beziffert und darin sind die Kosten für Schäden an der zivilen Infrastruktur noch nicht mal enthalten. In Deutschland sollen auch wieder Truppenübungsplätze für Teilübungen genutzt werden.

Das Münsterland spielt dabei eine zentrale Rolle: Aus dem „Army Preposition Stock“, dem 2017 neu errichteten Nachschublager der US-Armee in den ehemals britischen Tower Barracks in Dülmen, werden in den nächsten Wochen Militärmittel, Waffen, Munition und Versorgungsmaterial, an die an Defender 2021 beteiligten US-Einheiten geliefert.

Am Montag, im Rahmen des Ostermarsches Kreis Coesfeld, werden wir deshalb eine Stunde den Eingang dieses US-Militärlagers blockieren. Ich hoffe, dass ich viele von euch da wiedersehe!

Wenn Ihr euch fragt: „vor was oder wem sollen uns diese unfassbare Aufrüstung und die ständigen Militäraufmärsche schützen“, und Ihr findet keine Antwort, dann liegt das daran, dass es tatsächlich nur eine rationale Begründung für das alles gibt:

Die einzigen, die Profit schlagen, aus der Kriegslust und dem explodierenden Aufrüstungsboom, insbesondere der USA und NATO-Staaten, sind die Rüstungsunternehmen, die auch heute Rekordgewinne einfahren. Selten war die menschenfeindliche Nutzlosigkeit des Militärs so offensichtlich wie jetzt, wo wir in der Corona-Pandemie rund um den Globus die gleiche Bedrohung, die gleichen Ängste und die gleichen Hoffnungen teilen und die Menschen weltweit realisieren, dass alle Ressourcen dringend gebraucht werden, um diese Naturkatastrophe und ihre Auswirkungen zu bewältigen.

Es wird Zeit, dass wir diese Erfahrung nutzen und uns verbünden, gegen die politischen Sprengköpfe und Kriegsgewinnler, hier bei uns und weltweit, die viel zu lange schon und viel zu unbehelligt ihr Geschäft verrichten.

Tatsache ist: für die Missstände und Bedrohungen, die unsere Existenz wirklich gefährden, Klimakrise, Armut, Ausbeutung, Hunger, die Pandemie, hat kein Militär dieser Welt eine Lösung parat. Sicherheit für alle Menschen zu schaffen ist eine riesige Herausforderung, die nur zivil gelingen kann und dabei kann sich die Friedensbewegung auf DIE LINKE verlassen, die ganz klar sagt:

Die Waffen nieder!

Abrüsten statt aufrüsten!


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Rede von Thomas Siepelmeyer vom AKAFRIK – Arbeitskreis Afrika – Münster vor dem sog. „Traindenkmal“ (Kolonial-Schandmal) am zentralen Ludgeriplatz in Münster während der Zwischenkundgebung der Osterfriedensfahrraddemo am 3.4.21

Das sog. Traindenkmal am Ludgeriplatz in Münster bezieht sich nicht nur auf den Völkermord an den Nama und Herero in der Kolonie
Deutsch-Südwestafrika Anfang des letzten Jahrhunderts, sondern auf der
westlichen kleinen Gedenktafel wird ein deutscher Soldat geehrt, der bei
der brutalen und blutigen Niederschlagung des Boxer-Aufstand in China
1901 „für Kaiser und Reich“ zu Tode kam – „den Heldentokoll“ enthielt drakonische Bestimmungen. Zehn hohe
chinesische Beamte wurden hingerichtet, viele weitere zu hohen
Freiheitsstrafen verurteilt. Vor allem ließen sich die kolonialen
Mächte ihr „Engagement“ in barer Münze zurückzahlen: über 300
Millionen Dollar betrug die „Entschädigung“.

Fast noch wichtiger war es dem Deutschen Reich, neben der materiellen
auch eine symbolische Wiedergutmachung durchzusetzen. Der chinesische
Prinz Chun musste im Rahmen einer „Sühne-Reise“ im September 1901 vor
Wilhelm II. in Berlin den Kotau vollziehen und ihn offiziell um
Verzeihung bitten. Unter den Mandschu, der aus der Mandschurei
stammenden seit 1644 herrschenden Dynastie, erfuhr China seine tiefste
Demütigung.

Der Nationalismus wurde mächtig

Indes gelang es schon nach 1900 keiner der imperialistischen Mächte
mehr, China Interessenssphären, Wirtschaftskonzessionen oder
Pachtgebiete gewaltsam abzuringen. Der Nationalismus war auch im „Reich
der Mitte“ zu einer Macht geworden. Der Boxeraufstand hatte also
indirekt dazu beigetragen, das moderne China herauszubilden. Als 1949
mit dem Sieg der Kommunistischen Volksbefreiungsarmee (People’s
Liberation Army – PLA) China zur Volksrepublik wurde, stand die
Erinnerung an den Boxeraufstand erstmals unter positivem Vorzeichen.
Besonders während der Kulturrevolution zwischen 1966 und 1976 galten
die Boxer als mutige Helden und antiimperialistische Patrioten.

Mit freundlichen Grüßen / Best regards / Muy atentamente

Arbeitskreis Afrika – AKAFRIK – Münster


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Rede von Anne Sandner (Organisationssekretärin vom DGB Münsterland) auf der Auftaktkundgebung der Osterfriedensfahrraddemo am 3.4.21

(gehalten vor dem Schloss der Westfälischen Uni Münster, die von manchen (können wir sie abwählen?) immer noch gerne nach dem Kriegsverbrecher und Antisemiten Kaiser Wilhelm II. benannt wird – Kommentar von Jewgenij Arefiev)

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

vielen Dank für die Einladung als Gewerkschafterin beim diesjährigen Ostermarsch ein paar Worte an euch richten zu dürfen.

Über 61 Jahre lang waren und sind immer viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aktiv dabei, allen voran der Freund und Kollege Willi Hoffmeister aus Dortmund, der selbst im hohen Alter den Ostermarsch Rhein-Ruhr immer noch mit organisiert und in der IG Metall seit Jahrzehnten unermüdlich für die Rüstungskonversion kämpft.

Dennoch ist leider festzustellen, dass unsere Gruppe strukturell nicht besonders stark vertreten ist. Dabei sind doch die Gewerkschaften einst angetreten um die Arbeits- und Lebensbedingungen der abhängig Beschäftigten zu verbessern. Und für gute Lebensbedingungen ist das friedliche Zusammenleben auf dieser Erde von zentraler Bedeutung. Wissend, dass Frieden viel mehr ist, als die Abwesenheit von Krieg und jeder Krieg ein Verbrechen an der Menschheit ist. Ob auch alle, die mit der Kriegsmaschinerie ihr Geld verdienen somit als Verbrecher zu bezeichnen seien, mag jede und jeder für sich selbst entscheiden.

Um allerdings keineswegs ein Verbrecher zu gelten oder Verbrechen zu unterstützen, wäre es demnach folgerichtig für ein Ende der Produktion von Rüstungsgütern, Atom- und Kleinwaffen zu sorgen. Deutschland könnte hier mit gutem Beispiel vorrangehen. Abrüsten statt Aufrüsten, das ist nach wie vor das Gebot der Stunde!

Mir ist klar, dass die Entscheidung zur Rüstungskonversion unweigerlich zur Vernichtung von Arbeitsplätzen in der Rüstungsindustrie führen wird. Das ist natürlich für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen ein Schicksalsschlag. Hängt doch ihre persönliche Lebensplanung, die Existenz ihrer Familie, die Entwicklung des Dorfes, der Stadt und vielfach sogar der ganzen Region davon ab. Hier gilt es die Betroffenen nicht sich selbst zu überlassen, sie aktiv zu unterstützen und für Perspektiven zu sorgen.

Aber das Arbeitsplatzargument wiegt anscheinend unterschiedlich schwer, denn über die Arbeitsplätze, die der Monopolisierung, Rationalisierung und Digitalisierung zum Opfer gefallen sind, wird wenig gesprochen oder es als unausweichlich hingenommen.

Der Abschied vom Steinkohlenbergbau z.B. wurde zwar mit großem Bedauern und viel Gefühlsduselei betrieben, zeigt aber auch, wenn der politische Wille da ist, werden solche Entscheidungen getroffen, auch wenn es Arbeitsplätze kostet. Deshalb leuchtet mir nicht ein, dass das Arbeitsplatzargument in der Rüstungsindustrie mehr wiegen soll, zumal wir hier im direkten Zusammenhang gerade einmal über 20.000 Arbeitsplätze reden. Für diese Kolleginnen und Kollegen finden wir sicherlich vor dem Hintergrund des proklamierten Fachkräftemangels eine neue und viel sinnvollere Beschäftigung.

Auch als in Bochum insgesamt über 20.000 Opelaner*innen über viele Jahre ihre Arbeitsplätze, ihre Existenzen und ihren Kampfgeist verloren haben, war kaum Wehklagen zu hören. Auch am Ende letzten Jahres als Armstrong in Münster die Produktion eingestellt hat, war es ziemlich still.

Das Arbeitsplatzargument hinkt also gewaltig !!

Was in dem Zusammenhang viel lauter, ehrlicher und beto ist damit aber immer noch nicht erreicht. Was könnte man mit diesem Geld alles Sinnvolles anrichten!?

Die 29 Nato, die provozierend direkt an der russischen Grenze mit ihren Manövern ihre Muskeln spielen lässt.

Der Kampf um Ressourcen, Machterlangung, Machterhalt und vor allem das Streben des Kapitals sich zu vermehren, das sind die Triebfedern, die die Rüstungsindustrie als Gelddruckmaschine so attraktiv macht. Jede kriegerische Auseinandersetzung erneuert die Nachfrage nach mehr und besseren Waffen und am Wiederaufbau lässt sich dann auch noch Geld verdienen, was beim nächsten Anlass wieder zerstört wird. Ein widerlicher und menschenverachtender Kreislauf.

Aktuell verfügt ein knappes 1% der erwachsenen Weltbevölkerung, das sind 52 Mio Menschen über fast die Hälfte des globalen Vermögens. Die Klimakrise wird diese Spaltung noch vertiefen. Wenn wir den Frieden wollen, dürfen wir weder das Sterben der Menschen in Kriegen oder im Mittelmeer sowie das Sterben unseres Planeten länger hinnehmen, noch die Spaltung der Welt in arm und reich. Statt immer höhere Rüstungsausgaben, brauchen wir mehr Geld für Klimaschutz, Sozialleistungen und Investitionen in die Daseinsvorsorge.

Die aktuelle weltweite Pandemie verschärft diese Spaltung zusätzlich. Die einen verdienen an dem Coronavirus direkt oder durch Finanzspekulationsgeschäfte, während die anderen durch Kurzarbeit oder Erwerbslosigkeit, Angst um ihre Zukunft haben. Die Pflegekräfte und Verkäufer*innen wurden zu Beginn der Krise noch voller Dankbarkeit beklatscht. Doch als es darum ging, diese Dankbarkeit in mehr Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen auszudrücken, wurde da eher die kalte Schulter gezeigt. Hier haben sich gerade die kirchlichen Arbeitgeber zum Vasallen der privaten investorgesteuerten Pflegeindustrie gemacht, indem sie den neuen Tarifvertrag nicht anerkannten. Die Privaten können sich nun genüsslich im Hintergrund zurücklehnen.

Wieder andere Beschäftigte sind mehrfach belastet, müssen sie parallel zum Homeoffice das Homeschooling übernehmen. Hier sind es vor allem wieder die Frauen, die in einer „Rolle rückwärts“ ihre Erwerbsarbeit reduzieren, um die unbezahlte Arbeit in der Haushalts-, Pflege- und Bildungsarbeit zu übernehmen.

Auch wenn richtigerweise unsere Regierung versucht durch vielseitige finanzielle Unterstützungen vielen Ängsten den Druck zu nehmen, wissen wir doch auch, wer am Ende die Zeche bezahlen muss. Wenn in 2025 die ersten Zinsen fällig werden, wird es den Resten unseres Sozialstaates an den Kragen gehen. Rente mit 70, private Krankenversicherungen werden da wohl nur der Anfang der Szenarien sein, die sicherlich bereits in den Denkfabriken der Chicago Boys durchgespielt werden. Deren Lobbyisten stehen schon z.B. bei unseren Volksvertretern Schlange um ein Nachfolgemodell der gescheiterten Riesterrente zu etablieren.

Wenn man vielen Umfragen trauen soll, empfinden viele Menschen unsere Gesellschaft als ungerecht und wünschen sich in einer friedlichen gerechten Gesellschaft zu leben. Doch wir befinden uns auf einem entgegen gesetzten Kurs in der seit über 30 Jahren anhaltenden und seit 20 Jahren verschärften neoliberalen Politik der Privatisierung, Deregulierung, Umverteilung, Ökonomisierung aller Lebensbereiche und des Abbaus des Sozialstaates. Eine produzierte immer stärkere Ellenbogenmentalität, die Zunahme befristeter, schlecht bezahlter und unsicherer Jobs, Reallohnverluste, Renten, die zunehmend Armut bedeuten, Kumpanei der Regierenden mit der Großindustrie, Explosion der Mieten in den Metropolen, Weigerung von Regierung und Industrie die Klimakrise wirklich zu bekämpfen, Zweiklassenmedizin, Pflegenotstand, Bildungsnotstand und eine Sparpolitik zulasten der Infrastruktur und öffentlicher Aufgaben. All dies führt bei den Menschen zunehmend zu Ängsten vor Abstieg und Armut, Verunsicherung, Ungerechtigkeitsempfinden, Wut, Ohnmacht und zu gesellschaftlicher Spaltung. Dieses Gift, das die Faschisten, Antisemiten und Rassisten nährt, gilt es zu bekämpfen und zu beseitigen.

Was wir brauchen ist eine wirklich friedliche und gerechte Gesellschaft für Alle!

Ich möchte in einem Land leben, das keine Waffen produziert und auch kein Geld dafür ausgibt. Ein Land, in dem junge Menschen zu sozialen Wesen erzogen und nicht als mörderischen Handlanger für politische geostrategische Ziele missbraucht werden. Ein Land in dem alle ein Ein- und ein Auskommen haben. Dafür brauchen wir aber dringend einen entsprechenden Politikwechsel. Geld für alles wäre genug da: Abkehr von der Schuldenbremse, keine Militärausgaben, eine Finanztransaktionssteuer, sowie mehr Steuer- und Verteilungsgerechtigkeit und konsequente Verfolgung von Steuerflucht – es mangelt eigentlich nicht an Geld, sondern es mangelt am politischen Willen für eine gerechte Gesellschaft. Doch für diesen Willen gilt es zu kämpfen. Der Anfang kann im September gewählt werden und ich wünsche mir zusätzlich, dass die rechten Ratten wieder aus unserem Bundesparlament vertrieben werden.

Aber Wünsche alleine werden da nicht helfen, denn wenn wir etwas aus der Vergangenheit gelernt haben sollten: Geschenkt bekommen wir nix, auch keine gerechte Gesellschaft – und um Rosa Luxemburg am Ende zu zitieren: Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht!

Deshalb lasst uns dafür gemeinsam heute und an vielen kommenden Tagen mit Abstand aber mit Anstand und aller Entschlossenheit bewegen und unsere Themen auf die Straße bringen!

Danke für eure Aufmerksamkeit!

Anne Sandner, Münster, 3.4.2021


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PM: Die Friedenskooperative Münster ruft zur Teilnahme an der Osterfriedensfahrraddemo für Frieden, Abrüstung und Umweltschutz am Sa. 3.4.21 auf!

Rund um Ostern finden bundesweit ca. 100 Aktionen im Rahmen der Ostermärsche statt, auch in Münster ruft die Friedenskooperative auf, sich an der Fahrrad-Demo für Frieden, Abrüstung und Umweltschutz am Sa. 03. April zu beteiligen. Unterstützt wird sie dabei durch Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Münster, pax christi Münster, DGB Münsterland, Arbeitskreis Afrika Münster (AKAFRIK), Fari Hadipour (Das Boot – Musik für den Frieden) u.a. Fari Hadipour spielt Musik für den Frieden bereits ab 13:45 Uhr vor dem Schloss, Schlossplatz. Ab ca. 14:05 reden dort: Rosemarie Brombach (Friedenskooperative Münster) und Anne Sandner (Organisationssekretärin des DGB Münsterland). Um ca. 14:30 Uhr geht es mit den Fahrrädern weiter: Schlossplatz, Promenade, Gerichtsstraße, Universitätsstraße, Bispinghof, Rothenburg, Aegidiistraße, Promenade bis zum Train-Denkmal am Ludgeriplatz. Auf der Zwischenkundgebung vor dem Train-Denkmal von ca. 14:45 – 15:00 Uhr reden Jewgenij Arefiev (Sprecher der DFG-VK Münster) und Thomas Siepelmeyer (Sprecher des Arbeitskreises Afrika Münster AKAFRIK). Um ca. 15:15 Uhr geht es weiter mit Fahrrädern durch Promenade, Ludgeristraße, Ludgeriplatz (Kreisel), Hafenstraße, Hansaring, Hohenzollernring bis zur Kaserne an der Manfred-von-Richthofen-Straße 8. Auf der Abschlusskundgebung vor der Manfred-von-Richthofen-Kaserne ab ca. 15:30 Uhr reden Kathrin Vogler MdB (friedenspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke), Maria Buchwitz (Diözesanvorsitzende von pax christi Münster) und Hugo Elkemann (Sprecher der Friedenskooperative Münster). Fari Hadipour (Das Boot) spielt Musik für den Frieden. Um ca. 16 Uhr endet die Versammlung.
Unsere Forderungen:
Abrüsten statt Aufrüsten!
Auch für 2021 wurde der Rüstungshaushalt der Bundesrepublik für umfangreiche Neuanschaffungen und Auslandseinsätze erhöht, obwohl das Geld im Sozial-, Bildungs-, Sozialwohnungsbau- und Gesundheitsbereich fehlt. 
Nein zu Neuanschaffungen von Killerdrohnen und Kampfbombern!
In den Frieden investieren, nicht in Rüstung und Krieg! 
Atomwaffen raus aus Deutschland!
Büchel dicht machen!
Rüstung und Kriege sind die Umwelt- und Klimakiller Nr. 1! 
Durch konsequente Abrüstung ist eine wirksame Umgestaltung der Umweltpolitik möglich. Die geplanten Steigerungen des Rüstungshaushaltes auf 2% des Bundesinlandsprodukts (BIP) betragen ca. 30 Mrd. Euro mehr pro Jahr. Dieser Betrag würde ausreichen, den ÖPNV in der Bundesrepublik auszubauen und kostenlos zur Verfügung zu stellen. 
Umweltschutz statt militärisches Großmachtstreben! 
Nein zum NATO-Hauptquartier der Landstreitkräfte in Münster! 
Die NATO will die Manfred-von-Richthofen-Kaserne in der Friedensstadt Münster zu ihrem zentralen Hauptquartier der Landkräfte machen. 
Wir fordern Konversion, d.h. zivile Nutzung des Grundstücks der Manfred-von-Richthofen-Kaserne!
Ein weiterer militärischer NATO-Strukturaufbau in Deutschland und Europa verstärkt die Konfrontationspolitik gegenüber Russland.
Entspannung durch Abrüstung statt Aufrüstung! 
Für die Teilnahme ist die Einhaltung von den aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen Pflicht. Die Corona-Leugner:innen sind auf der Demo nicht erwünscht.
„Wir haben es in den vergangenen Jahren so gehandhabt, dass wir uns mit Parteifahnen und -abzeichen zurückgehalten haben. Wir werden es in diesem Jahr auch so handhaben. Es basiert nicht auf einer generellen Parteienfeindlichkeit, sondern darum, ein gemeinschaftliches und nicht potentiell verfälschtes Bild nach außen zu stellen. Wir gewähren keiner rechten Gruppierung, Partei oder Einzelperson die Teilnahme an unserer Friedensaktion.“, so Ansgar Schmidt von der Friedenskooperative.


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Pressemitteilung „Münsteraner Friedensgruppen fordern von der Stadt Münster besseren Datenschutz Minderjähriger gegenüber der Bundeswehr“

Am 1. April werden erneut Jugendliche ihren Dienst bei der Bundeswehr antreten, einige auch im neuen Heimatschutzprogramm. Darunter werden auch 17-jährige Jugendliche sein, obwohl u. a. in mehreren UN-Beschlüssen zu den Kinderrechten ein Wehrdienst von Minderjährigen deutlich abgelehnt wird.
„Gesundheit ist unser höchstes Gut und der Dienst in der Bundeswehr immer auch mit dem Risiko, zu sterben wie auch töten zu müssen, verbunden. Junge Menschen sollten wir aber zum Leben und zu einer Arbeit für das Leben ermutigen, nicht zu Sterben und Töten. Deshalb gerne Werbung für Zivile Friedensdienste und für Ausbildungen in Ziviler Konfliktlösung, aber nicht für die Bundeswehr“, betomkriegs).

Alle Jugendlichen sind im Vorfeld von der Bundeswehr angeschrieben worden. Grundlage für entsprechende Werbemaßnahmen ist das Soldatengesetz, das die Weitergabe der Daten der Jugendlichen durch die Stadt an die Bundeswehr erlaubt.
Friedensinitiativen aus Münster haben heute einen Bürger*innenantrag an den Rat der Stadt Münster (s. Anlage) gestellt. Darin wird die Stadtverwaltung aufgefordert, vor der Weitergabe der Daten die Jugendlichen darüber zu informieren, dass sie ein Widerspruchsrecht nach dem Datenschutzgesetz haben.
„Die bisherigen Maßnahmen wie die Veröffentlichung auf der Homepage oder im Amtsblatt der Stadt erreichen die Zielgruppe nicht. Hier muss die Stadt zum Schutz der Jugendlichen aktiv werden“, begründet Rixa Borns von der Friedensinitiative Münster FiM den Antrag.

„Wir fordern den Rat der Stadt Münster deswegen auf, unseren Antrag zu unterstützen und die bisherige Praxis der Stadtverwaltung zu ändern. Das wäre ein gutes Signal aus der Friedensstadt Münster,“ ergänzt Jewgenij Arefiev (DFG-VK).

Rixa Borns,
Vorsitzende Friedensinitiative Münster e.V. (FiM)

Jewgenij Arefiev,
ehrenamtlicher Geschäftsführer/Sprecher der Gruppe Münster, Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)

Hugo Elkemann,
Sprecher der Friedenskooperative Münster

Dr. Brigitte Hornstein,
IPPNW Münster

Maria Buchwitz,
Diözesanvorsitzende von pax christi Münster


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OSTERMARSCH MÜNSTER 2021: OSTERFRIEDENSFAHRRADDEMO „Für Frieden, Abrüstung und Umweltschutz!“ am Sa. 03. April 2021 um 14:00 Uhr auf dem Schlossplatz bis ca. 16:00 Uhr vor der Manfred-von-Richthofen-Kaserne

Hallo!
Herzlich willkommen mit uns am Ostersamstag für Frieden, Abrüstung und Umweltschutz mit Fahrrad zu demonstrieren! Veranstalterin: Friedenskooperative Münster, unterstützt durch Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Münster, pax christi Münster, DGB Münster, Arbeitskreis Afrika Münster (AKAFRIK) u.a.

13:30 Uhr: Musikbeitrag: Fari Hadipour (Das Boot – Musik für den Frieden)

14:00 Uhr: Auftaktkundgebung auf der Freifläche vor dem Schloss:

Redebeiträge: Rosemarie Brombach (Friedenskooperative Münster) und Anne Sandner (Organisationssekretärin des DGB Münsterland)

Ca. 14:30 Uhr: Beginn des Aufzugs mit Fahrrädern

Aufzugsroute: Schlossplatz, Promenade Gerichtsstraße, Universitätsstraße, Bispinghof, Rothenburg, Aegidiistraße, Promenade bis zum Train-Denkmal.

Ca. 14:45 – 15:00 Uhr: Zwischenkundgebung auf den Flächenbereichen an der Promenade in Höhe Train-Denkmal:

Redebeiträge: Jewgenij Arefiev (Sprecher der DFG-VK Münster) und Thomas Siepelmeyer (Sprecher des Arbeitskreises Afrika Münster AKAFRIK).

Ca. 15:15 Uhr: Fortsetzung des Aufzuges mit Fahrrädern: Promenade, Ludgeristraße, Ludgeriplatz (Kreisel), Hafenstraße, Hansaring, Hohenzollernring, Manfred-von-Richthofen-Straße.

Ca. 15:30 Uhr: Abschlusskundgebung auf den öffentlichen Flächenbereichen vor der ehemaligen Manfred-von-Richthofen-Kaserne, Manfred-von-Richthofen-Straße 8:

Redebeiträge: Kathrin Vogler MdB (friedenspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke), Maria Buchwitz (Vorsitzende von pax christi Münster) und Hugo Elkemann (Sprecher der Friedenskooperative Münster).

Musikbeitrag: Fari Hadipour (Das Boot – Musik für den Frieden).

Ca. 16 Uhr: Ende der Versammlung.

Unsere Forderungen:

Abrüsten statt Aufrüsten!

Auch für 2021 wurde der Rüstungshaushalt der Bundesrepublik für umfangreiche Neuanschaffungen und Auslandseinsätze erhöht, obwohl das Geld im Sozial-, Bildungs-, Sozialwohnungsbau- und Gesundheitsbereich fehlt. 

Nein zu Neuanschaffungen von Killerdrohnen und Kampfbombern!

In den Frieden investieren, nicht in Rüstung und Krieg! 

Atomwaffen ächten!

Der Bundestag und die Bundesregierung, unterzeichnet und ratifiziert den UN-Atomwaffenverbotsvertrag vom 22. Januar 2021!

Keine Anschaffung von neuen Atombombern!

Nein zur Nuklearen Teilhabe Deutschlands!

US-Atomwaffen raus aus Deutschland!

Büchel dicht machen!

Rüstung und Kriege sind die Umwelt- und Klimakiller Nr. 1! 

Durch konsequente Abrüstung ist eine wirksame Umgestaltung der Umweltpolitik möglich. Die geplanten Steigerungen des Rüstungshaushaltes auf 2% des Bundesinlandsprodukts (BIP) betragen ca. 30 Mrd. Euro mehr pro Jahr. Dieser Betrag würde ausreichen, den ÖPNV in der Bundesrepublik auszubauen und kostenlos zur Verfügung zu stellen. 

Umweltschutz statt militärisches Großmachtstreben! 

Nein zum NATO-Hauptquartier der Landstreitkräfte in Münster! 

Die NATO will die Manfred-von-Richthofen-Kaserne zu ihrem zentralen Hauptquartier machen. 

Konversion, d.h. zivile Nutzung des Grundstücks der Manfred-von-Richthofen-Kaserne!

Ein weiterer militärischer NATO-Strukturaufbau in Deutschland und Europa verstärkt die Konfrontationspolitik gegenüber Russland.

Entspannung durch Abrüstung statt Aufrüstung! 

Für die Teilnahme ist die Einhaltung von den aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen (Abstand, Hygiene, Mund- und Nasenschutzmaske) Pflicht. Personen mit Corona-Symptomen (Husten, Atembeschwerden, Fieber) dürfen nicht an der Versammlung teilnehmen.

Sollte die Veranstaltung aufgrund einer Eskalation der Pandemie nicht stattfinden, wird dies am Mi. 31.03.21 hier bekannt gegeben: http://dfgvk.blog.muenster.org

Weitere Ostermarschaktionen:

Fr. 02.04.21 Gronau – Fahrrad-Demo: www.ostermarsch-gronau.de

Sa. 03. – Mo. 05.04.21: Ostermarsch Ruhr: www.ostermarsch-ruhr.de

Mo. 05.04.21: Ostermarsch Dülmen: www.friedensfreundeduelmen.eu

Bundesweite Übersicht: www.friedenskooperative.de


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Rede von Timon Nikolaou, Landesvorstandsmitglied der Landesschule*innenvertretung (LSV) NRW bei der Mahnwache zum Red Hand Day am 12.2.2021 vor dem Landtag NRW

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

Liebe Freundinnen und Freunde, 

ich spreche heute im Namen der Landesschüler*innenvertretung NRW.

Wir stehen heute wieder hier und demonstrieren, weil sich nichts geändert hat: 

Die Bundeswehr wirbt hier in Deutschland weiterhin minderjährige Jugendliche an, um sie zum Töten auszubilden. 

Die Bundeswehr wirbt zu diesem Zweck weiterhin an Schulen hier in NRW für den Kriegsdienst, dabei stellt sie sich und die Realität des Schreckens und der Gewalt des Krieges falsch dar, als wäre das Morden auf den Schlachtfeldern dieser Welt mit einem Videospiel zu vergleichen. Das Land NRW deckt diese „Werbung“ der Bundeswehr an Schulen und nennt diese dann „Politische Bildung“, legitimiert wird das ganze durch eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land und der Bundeswehr.

Wir sagen: Schluss mit dem Werben fürs Sterben!

Doch auch in anderen Teilen dieser Welt werden noch jüngere Menschen als in Deutschland in den Kriegsdienst gezwungen, wo sie Opfer von Gewalt werden, viele Kinder verlieren so in Ländern wie dem Kongo, Somalia, Kolumbien und in anderen Ländern ihr Leben. 

Deutsche Rüstungskonzerne, Firmen wie Heckler und Koch, die zum Beispiel Kleinwaffen herstellen, tragen eine Mitschuld daran, indem sie jene Waffen, die man Kinder zu führen zwingt, herstellen und verkaufen.

Schuldig sind auch deutsche Politiker*innen. Obwohl der Export von Kleinwaffen in Drittstaaten in Deutschland mittlerweile offiziell verboten ist, landen deutsche Kleinwaffen, die vielleicht an NATO-Partner verkauft wurden, oft in Drittstaaten und in den Händen von Kindern. 

Diese Tatsache scheint den verantwortlichen Köpfen der Rüstungskonzerne egal zu sein, schließlich verdienen diese riesige Geldsummen mit ihrem blutigen Geschäft.

Außerdem scheint es so, als würde sich die Mehrheit des Bundestages, sowie der deutschen Bundesregierung nicht für die im Grundgesetz verankerte „Menschenwürde“ der Kinder interessieren, die am Ende mit deutschen Waffen kämpfen und sterben müssen. Denn einen Stopp von deutschen Waffenexporten wollen die herrschenden Parteien nicht beschließen.

Doch nicht nur deswegen stehen wir heute hier! 

Wir stehen weiterhin hier, um uns als Stimme der Schüler*innen in NRW mit der Friedensbewegung und für die Friedensbewegung in Deutschland und überall auf der Welt zu solidarisieren und trotz der anhaltenden Pandemie ein Zeichen gegen Kriege und Waffenhandel zu setzen. 

Darüber hinaus verurteilen wir die militärischen Operationen von mächtigen Staaten und Organisationen, die im Kampf um Macht und Ressourcen, wie in Syrien und Afghanistan, die Zivilist*innen fahrlässig oder sogar vorsätzlich gefährden, vertreiben, verletzen, in den Kriegsdienst zwingen oder sogar ermorden. Wir solidarisieren uns mit Geflüchteten, die auch in diesem Moment auf der Suche nach Frieden, Schutz und Grundversorgung aus ihrer Heimat fliehen müssen. Wir solidarisieren uns mit Geflüchteten, die auf dem Mittelmeer von dem reichen „Europa der Menschenrechte“ dem Tod durch Verhungern, Verdursten oder Ertrinken überlassen werden. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen, die in und um Europa in Flüchtlingslagern an Krankheiten, Unterernährung oder durch Gewalt sterben. 

In dem Wissen, dass wir hier in einem der reichsten Länder der Welt leben, in dem zur Zeit Millionen Hotelzimmer, Gemeindehäuser, Turnhallen, Wohnungen und andere Immobilien leer stehen. In dem Wissen, dass Bekleidungsgeschäfte wegen eines Rückstaus an Kleidungsstücken überquellen und in dem Wissen, dass ⅓ der Lebensmittel in Deutschland im Müll landen. Werfen wir den großen Konzernen, der deutschen Regierung sowie der Europäischen Union vor, dass sie ihre Macht über Ressourcen missbraucht und geflüchtete Menschen, die man aufnehmen und versorgen kann, elend sterben lässt. 

Diese Verbrechen an Millionen Menschen nehmen wir nicht hin!

Also fordern wir:

  • dass die Bundeswehr aus den Schulen verbannt wird und die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land NRW und der Bundeswehr aus der Welt geschafft wird! 
  • dass die Rekrutierung von Minderjährigen gestopp und das Verbot aller Rüstungsexporte in alle Länder!
  • die bedingungslose Aufnahme aller Menschen, die vor Krieg, Gewalt, Hunger, Armut und Klimaveränderungen flüchten!

Wir als Vertretung aller Schüler*innen des Landes Nordrhein-Westfalen sind darüber hinaus der Ansicht, dass die bestehende Weltgesellschaft, samt ihrer politischen und ökonomischen Strukturen, einer an ihre Wurzeln gehende Umstrukturierung bedarf. Hin zu einer Welt des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit im Sinne materieller Gleichheit. 

Vielen Dank!


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Rede von Joachim Schramm, Landesgeschäftsführer der DFG-VK NRW bei der Mahnwache zum Red Hand Day am 12.2.2021 vor dem Landtag NRW

Liebe Freundinnen und Freunde,

sehr geehrte Abgeordnete und Mitarbeiter des Landtages NRW, wenn Sie mich von hier aus auch hören können!

Mein Name ist Joachim Schramm und ich spreche hier für die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) NRW. Gemeinsam mit der Landesschüler*innenvertretung (LSV) sind wir Mitglied im Bündnis „Schule ohne Bundeswehr NRW“. Wir wenden uns gegen die vor allem auf junge Menschen zielende Werbung der Bundeswehr an und im Umfeld von Schulen. Und ich finde es toll, dass heute hier trotz der Kälte und trotz Corona doch so viele gekommen sind, um gemeinsam hier zu protestieren.

Heute vor 19 Jahren, am 12. Februar 2002 trat das Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention stärken.

Doch die ursprüngliche Forderung von Kinderschutzorganisationen, eine klare Grenze bei 18 Jahren auch bei der Einberufung, s.g. ein Straight 18 zu ziehen, stieß auf den Widerstand diverser Staaten. Und daher verbietet das Zusatzprotokoll zwar den Einsatz von Minderjährigen im Krieg, bei der Einberufung gibt sie jedoch nur eine Empfehlung ab. Doch dieser Empfehlung haben sich immerhin 150 Staaten angeschlossen und rekrutieren keine unter 18-jährigen mehr. Ausgerechnet Deutschland gehört hier zur Gruppe der unrühmlichen Ausnahmen. Regelmäßig stellt die Bundeswehr unter 18-jährige als Freiwillige ein, 2020 waren es 1.148, etwas weniger als im Vorjahr, vielleicht auch bedingt durch Corona oder vielleicht auch Ergebnis der anhaltenden jährlichen Proteste. Der UN-Ausschuss für die Rechte der Kinder hat Deutschland zuletzt 2014 aufgefordert, das Mindestalter der Rekrutierung auf 18 Jahre festzulegen.

Schulpolitik ist Ländersache und Ministerin Gebauer könnte hier aktiv werden. Sie könnte der Militärministerin AKK zu verstehen geben, dass Bundeswehrwerbung in und an Schulen nicht erwünscht ist. Frau Gebauer hat es darüber hinaus in der Hand, hier die Bundeswehr zumindest in NRW in ihre Schranken zu weisen. Warum gibt das Schulministerium keine Empfehlung an die Schulen, bei Jobbörsen keine Bundeswehr einzuladen? Warum empfiehlt sie den Schulen nicht, keine Berufsbildungsmessen mehr zu besuchen, an denen die Bundeswehr teilnimmt? Die Landesregierung könnte ihre Autorität ins Spiel bringen und deutlich machen, dass sie in NRW keine Werbung für und keine Rekrutierung von Minderjährigen wünscht. Das würde es den Lehrerinnen und Lehrern und den SchülerInnenvertretungen leichter machen, die an ihren Schulen dieser Werbung der Bundeswehr kritisch gegenüber stehen und sich dagegen wenden. Doch stattdessen hält Gebauer und die ganze Landesregierung an der Kooperationsvereinbarung fest, die vor über 10 Jahren mit der Bundeswehr abgeschlossen wurde. Wir rufen heute hier am Red Hand Day dazu auf, diese unsägliche Kooperationsvereinbarung zu kündigen!

Statt die Rekrutierung Minderjähriger zu beenden hat die Militärministerin im letzten Jahr einen neuen Freiwilligendienst an den Start gebracht, der ebenfalls auf Minderjährige zielt. Unter dem Titel „Dein Jahr für Deutschland“ können jährlich 1.000 junge Menschen eine 7-monatige Grund- und Spezialisierungsausbildung bei der Bundeswehr machen und werden danach „heimatnah“ in den sogenannten regionalen Reserveeinheiten eingesetzt. In einem Zeitraum von dann 6 weiteren Jahren sollen die jungen Menschen für insgesamt 5 Monate an den Reserveübungen teilnehmen, die sie in 30 regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien (RSU) im ganzen Bundesgebiet absolvieren können. An der Waffe ausgebildet werden – wie immer beim Freiwilligen Wehrdienst – schon junge Menschen ab 17 Jahren. 1/5 der Bewerber*innen für den neuen Dienst waren im Jahr 2020 unter 18 Jahre alt. Auffällig ist auch die Werbung für diesen Dienst: Das Logo dafür besteht aus dem Schriftzug „Dein Jahr für Deutschland“ mit Schwarz-Rot-Goldener Applikation. In einem Werbevideo heißt es: „Unser Wir braucht mehr von Dir. Schütze unsere Heimat. Wenn wir Dich stark machen, machst Du ein ganzes Land stark. Schütze unsere Heimat. Erlebe Kameradschaft. Mit dem Neuen Dienst in Deiner Region. Zusammenhalt in Deutschland beginnt bei Dir.“ Offenbar richtet sich dieser neue Dienst vor allem an eher rechtsstehende Jugendliche.

Was ist der Hintergrund dieses neuen Freiwilligendienstes? Der Bundeswehr fehlt es an Nachwuchs: Etwa 22.000 Stellen in der deutschen Armee sind unbesetzt. Die seit Jahren mit großem finanziellem Aufwand betriebene Aufrüstung steht im Gegensatz zum fehlenden Personal. Die Bewerbungszahlen für den bisherigen freiwilligen Wehrdienst sind rückläufig und auch zuvor konnte der Personalbedarf schon nicht gedeckt werden. Man reagiert also offenbar auf die Unlust der meisten Jugendlichen mit der Bundeswehr in kriegerische Auslandseinsätze zu ziehen. Der neue Dienst verzichtet darauf und versichert den Bewerber*innen, dass sie nur in Deutschland eingesetzt werden. Doch schon bisher wurden die im Ausland kämpfenden Einheiten von den in Deutschland tätigen Truppen unterstützt und entlastet. 2012 hat die Bundeswehr die Rolle der s.g. Reservisten, also der ehemaligen Wehrdienstleistenden und ausgeschiedenen Soldaten, gestärkt. In dem damals erstellten Reservistenkonzept heißt es „Reservisten werden dazu unabhängig von ihrer Ausbildung und ihrer Verfügbarkeit in allen Aufgabengebieten der Bundeswehr eingesetzt.“ Und in diese Reservisteneinheiten werden nun auch die neuen Freiwilligen eingebaut und tragen mit dazu bei, die Kriegsfähigkeit der Bundeswehr aufrecht zu erhalten. Wer also meint, der neue Dienst habe nichts mit Krieg zu tun, der oder die irrt sich gewaltig.

Gleichzeitig wird auch die Fähigkeit der Bundeswehr zum Einsatz im Inneren gestärkt. Reservisten sollen (ich zitiere) „Verteidigungsaufgaben auf deutschem Hoheitsgebiet sowie Amtshilfe (…), zum Schutz kritischer Infrastruktur und bei innerem Notstand“ übernehmen. Der innere Notstand reicht dabei von unliebsamen Großdemonstrationen bis zu umfassenden Streikaktivitäten, in deren Zusammenhang Reservisten und auch die neuen Freiwilligen also zum Einsatz kommen können. Damit wird die Trennung, die das Grundgesetz aus gutem Grund zwischen zivilen Aufgaben des Staates und einem militärischen Vorgehen macht, schrittweise aufgeweicht und beiseite geschoben. Das erleben wir auch in diesen Corona-Monaten, wo immer mehr Soldaten in Pflegeheimen und Gesundheitsämtern Dienst tun, weil der Staat nicht genug ziviles Personal für diese Aufgaben finanzieren kann. Denn unsere Steuergelder fließen ja schon Jahr für Jahr immer stärker in das Militär.

Damit muss Schluss sein! Wir wollen keine Bundeswehreinsätze im Inneren aber auch keine Kriegseinsätze. Wir wollen keine Minderjährigen in der Armee und keinen neuen militärischen Freiwilligendienst. Die zivilen Freiwilligendienste gehören ausgebaut, mit mehr Geld für die darin Tätigen. Und wir sagen: Bundeswehr raus aus den Schulen! Unter 18 nie!